Exkurs «Gute alte Zeiten»

Social – einfach auf eine andere Art. Auch wenn die Leute hier hart arbeiten mussten, kam das Zusammensein (laut meinem Grossvater) nicht zu kurz. So trafen sich die Bauern und Knechte jeweils beim «Abendhengert». Sie tauschten da ihre Neuigkeiten und Meinungen zum Wetter und dem aktuellen Kriegsgeschehen aus. Auf Pendla hatte man damals weder Radio noch eine Telefonverbindung zur Aussenwelt. Für die anschliessende Schlafgelegenheit diente eine dünne Schicht Heu oder Laub im Viehstall.

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Gute alte Zeiten. (oben: ca. 1947 | unten: mein Urgrossvater und mein Grossonkel mit Hund Prinz) (Bilder: Luzi Nett)

Heute erleben wir die «Corona-Zeit». Man sieht aber auch, schwere Zeiten gab es schon früher. Während wir derzeit «einfach zu Hause» sitzen müssen, wussten die Leute hier früher nicht, ob bei der Heimkehr ins Tal alles noch stehen würde und die Angehörigen noch leben. Es herrschte Krieg auf der ganzen Welt.

Die Gegend hier hat vieles erlebt. Und trotzdem sieht heute immer noch alles gleich aus.

Oberbodae
Obere Maiensässe – Oberbodä: 1948. (Bild: Luzi Nett)

Auch mein Ätti ist schon als kleiner Knirps hier oben gewesen. Deshalb hat dieser Ort für meine Familie und mich einen hohen Stellenwert. Mein Urgrossvater und Grossvater bewirtschaftete schon die Pendla-Wiesen. Auch die nachfolgende Generation half jeweils beim Heuen mit.

Hueterknaechte Pendla
Mein Vater Luzi Nett (rechts) und seine Brüder als «Hüeterknächte» 1968. (Bild: Luzi Nett)

Grundlegend geändert hat sich seit jener Zeit nicht nur die Viehhaltung, sondern auch die Bewirtschaftung der Wiesen auf Pendla. Heute steht ein mit Autos befahrbarer Weg zur Verfügung. Die Landwirte befahren diese Wege mit grossen Ladewagen und Traktoren und beladen diese auch in steilen Hanglagen mit zuvor ebenso maschinell gewelltem Heu. In neuster Zeit wird gar alles Heu von Pendla abgeführt zu den Heimstallungen im Tal. Die neue Bewirtschaftung ergab sich auch aus Gründen einer unvernünftigen Anwendung des Tierschutzgesetzes, wonach heute nicht mehr gestattet ist, in den alten aber sicher noch brauchbaren Stallungen auf Pendla Vieh zu halten und zu füttern. In starkem Gegensatz zu heute musste früher, in der guten alten Zeit, auf Pendla vor etwa 60 Jahren noch alles durch Handarbeit erschafft werden.

Handarbeit auf Pendla Handarbeit auf Pendla
Wiesenbewirtschaftung vor 60 Jahren – alles Handarbeit: ca. 1967. (Bilder: Luzi Nett)